Dort, wo sich jetzt die Brauerei Sauer
befindet, stand einst die Wasserburg der
Truchsesse, die im Bauernkrieg zerstört wurde.
Auf dem Mühlberg aber soll in früheren Zeiten
ebenfalls ein Schloß gestanden haben.
Es wurde von drei Jungfrauen bewohnt, die gut
zu den Dorfbewohnern waren. Das ganze Jahr über waren sie
kaum zu sehen. Nur am Kirchweihmontag kamen sie alljährlich ins Dorf, um ein paar Stunden mit den Burschen von Röttenbach zu tanzen.

Da sie hübsch waren und gut tanzten, wurden sie von den Dorfbewohnern fleißig aufgefordert. Nur zu rasch vergingen die Stunden; denn kurz vor Mitternacht brachen sie immer auf, da sie mit dem Glockenschlag 12 Uhr in ihrem Schloß auf dem Mühlberg sein mußten.

Einst waren sie nun wieder am Kirchweihmontag in den Saal der Brauerei gekommen. Lustig spielte die Musik zum Tanz auf. Jung und alt drehte sich fröhlich im Kreise. Die drei Schloßjungfrauen lachten und scherzten mit den Burschen. Zu rasch verging die Zeit und die Tänzer wußten, daß bald die Abschiedsstunde schlagen würde. Vergebens hatten sie schon versucht, die Jungfrauen zu bewegen, auch nach Mitternacht noch zu bleiben. Doch diese ließen sich nicht erweichen.

Da beschlossen die Burschen, die Uhr um eine Stunde zurückzustellen. Gesagt, getan! Ahnungslos tanzten die Schloßfräulein weiter und waren recht vergnügt. Als es auf der zurückgestellten Uhr kurz vor 12 Uhr war, verabschiedeten sich die drei Jungfrauen und stiegen den Mühlberg hinauf. Am Schloßtor angelangt, schlug es gerade 1 Uhr. Sie erschraken und betraten das Schloß. Plötzlich erzitterte die Erde und das Schloß begann mit den Jungfrauen zu versinken.

Als am anderen Morgen die Röttenbacher zum Mühlberg emporschauten, sahen sie kein Schloß mehr. Jetzt bereuten die Burschen ihre Tat. Aber es war zu spät.

An der Stelle, wo einst das Schloß gestanden hatte, wachsen heute Bäume. Auch eine Kapelle steht dort. Und noch heute stößt man manchmal beim Graben eines Brunnens auf Gänge und Hohlräume im Berg.